Lockheed F-104 Starfighter - "Der Witwenmacher"

Channel: Sascha Körber

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Der Lockheed F-104 Starfighter war ein einstrahliges Kampfflugzeug aus US-amerikanischer Produktion. Er wurde ab 1954 von Lockheed in großer Stückzahl gebaut und in den Luftstreitkräften mehrerer NATO-Staaten eingesetzt.

Außer unter seinem offiziellen Namen wurde der Starfighter in seiner deutschen Ausführung auch als Witwenmacher, Erdnagel, fliegender Sarg, oder Sargfighter bekannt, unter Anspielung auf seine hohe Unfallquote bei den Luftstreitkräften der Bundeswehr.

Das Kampfflugzeug war als reiner Tag- und Abfangjäger konzipiert, optimiert für hohe Geschwindigkeiten und Steigraten. Von der United States Air Force, die ihn ursprünglich in Auftrag gegeben hatte, wurde er allerdings nur kurz eingesetzt, da man später größeren und vielseitigeren Typen den Vorzug gab. Im Ausland wurde er länger eingesetzt, in Italien sogar bis 2004. Dabei wurde jedoch das Einsatzprofil häufig geändert, so diente die F-104 in Deutschland zuletzt als Allwetter-Jagdbomber.

In Deutschland führten die Umstände der Beschaffung zum Lockheed-Skandal; eine Absturzserie dieses Flugzeugtyps in den 1960er Jahren ist als Starfighter-Affäre bekannt. Es war bekannt, dass Lockheed beim Export des Starfighter in andere Länder Schmiergeld gezahlt hatte. Da auch Franz Josef Strauß vor seinem Besuch bei Lockheed noch die Mirage favorisierte und sich nach seiner Rückkehr für die F-104 aussprach, kam schnell der Verdacht auf, dass auch der deutsche Minister bestochen worden sei. Ein entsprechender Untersuchungsausschuss des Bundestags kam aber zu dem Schluss, dass sich eine Bestechung nicht nachweisen ließ. Der Vorwurf wurde daher fallengelassen.

Die Maschine verfügte über ein damals hochmodernes Radargerät Typ NASARR (North American Search and Ranging Radar) der US Firma Autonetics. Ein Infrarot-Zielgerät mit Schussbereichsrechner waren ebenfalls an Bord.

Unter dem Cockpit wurde links eine sechsläufige 20-mm M 61 A-1 „Vulcan" Maschinenkanone (System Gatling) mit einer Kadenz von 4000 Schuss/min. eingebaut - die Kanone wurde bei den Aufklärerversionen durch den Kamerasatz ersetzt. Eine Rumpfstation und zwei Unterflügelstationen ermöglichten das Mitführen diverser Abwurfmunition: Bomben max. 1000 lbs (ca. 450kg), Raketen (Luft/Boden „FFAR 70 mm") und Lenkflugkörpern (Luft/Luft Sidewinder AIM-9B, Luft/Boden AS 30, Luft/Schiff „Kormoran").

Die Bundeswehr setzte von Sommer 1960 bis zur Ausmusterung am 22. Mai 1991 insgesamt 916 Starfighter ein; davon gingen knapp ein Drittel, nämlich 292 Maschinen, durch Unfälle verloren. Allein von 1961 bis 1964 waren es 64 Maschinen. Bis 1991 verunglückten 116 deutsche Piloten tödlich. Im Jahr 1970 unter anderem auch der Marineflieger Olt. z. S. Joachim von Hassel, Sohn des damaligen Bundestagspräsidenten Kai-Uwe von Hassel.
Die vielen Abstürze fanden wohl deshalb statt, weil die Maschine nachträglich mit vielen Geräten und zusätzlicher Bombenlast aufgerüstet wurde, obwohl sie dafür nicht gebaut wurde. Der Starfighter war schlichtweg überladen.

Die Bundeswehr nutzte dabei die Versionen F-104G in unterschiedlichen Rüstzuständen als Jäger, Jagdbomber, Atombomber und zur Seekriegsführung. Weiterhin die RF-104G, welche statt der Bordmaschinenkanone der F-104G mit mehreren Kameras zur Aufklärung ausgerüstet war. Zur Ausbildung wurde in den ersten Jahren die F-104F, ein zweisitziger Trainer auf Basis der F-104D der USAF, genutzt, da die eigentlich vorgesehene TF-104G, ein ebenfalls zweisitziger Trainer auf Basis der F-104G, noch nicht fertig war. Diese wurden aber relativ schnell durch die TF-104G ersetzt und ausgemustert.

Am 16. Mai 1958 stellte eine F-104A mit 2259,538 km/h einen Geschwindigkeits-Weltrekord auf, und am 14. Dezember 1959 erreichte eine F-104C die Weltrekordhöhe von 103.395 Fuß (=31.535,5 m). Der Starfighter war das erste Flugzeug, das gleichzeitig die Rekorde für Geschwindigkeit, Höhe und Steigrate hielt.

Luftwaffenhauptmann Heltzels Notlandung in Nörvenich fand 1988 Eingang ins Guinness-Buch der Rekorde, da die Landegeschwindigkeit mit 435 km/h die höchste Geschwindigkeit war, mit der je ein Flugzeug erfolgreich aufgesetzt wurde.

Technischen Daten der F-104G (Deutsche Version):
Typ: Jagdbomber
Länge: 16,66 m
Flügelspannweite: 6,36 m
Flügelfläche: 18,22 m²
Flügelstreckung: 2,22
Höhe: 4,09 m
Leergewicht: 6.350 kg
Normales Startgewicht: 9.365 kg
Maximales Startgewicht: 13.170 kg
Höchstgeschwindigkeit: Mach 1,74 bzw. 1.845 km/h (auf optimaler Höhe)
Steiggeschwindigkeit: 244 m/s
Dienstgipfelhöhe: 15.240 m
Einsatzradius: ohne Zusatztanks: 670 km, mit Zusatztanks: 1.740 km
Stückpreis: 1,42 Million US-$